Plötzlich taucht in der Lücke ein massiger Kopf auf...

Ein Abend im August. Die Blattzeit neigt sich schon fast ihrem Ende entgegen obwohl sie noch gar nicht richtig in Fahrt gekommen ist, so scheint es mir. Gegen Abend packe ich meine Sachen von Schreibtisch und schaue aus dem Fenster.

Es hatte den ganzen Tag geregnet doch nun zeigten sich bereits einige Strahlen der schon tiefer am Himmel stehenden Sonne. Die Bedingungen könnten nicht besser sein und so packe ich schnell meine Waffe und mein Rucksack zusammen und mache mich auf ins Revier.

Im Revier angekommen überlege ich lange wo ich mich hinsetzen soll - entscheide mich aber schließlich für eine Pirsch in einem Revierteil den ich nicht sehr häufig besuche und in welchem auch noch kein Bock zu strecke gekommen war.

Langsam pirsche ich den Waldweg entlang und biege schließlich in eine Rückegassen zwischen zwei Dickungen ein. Dank des nassen Laubes komme ich leise voran. Der nasse Waldboden entfaltete nach dem Regen an diesem Sommerabend seinen einzigartigen Geruch und ich bleibe einen Moment stehen und lasse die Umgebung auf mich wirken.

Was für ein besonderer Abend!

Es liegt eine fast greifbare Spannung in der Luft, trotz der Idylle welche mich umgibt.

Ich richte mich ein und warte noch eine ganze Weile ab, ehe ich die ersten Fieplaute aus meinem Blatter hervor locke. Nach den ersten paar Fieptönen knackt es plötzlich links von mir und langsam schiebt sich ein Reh aus der Dickung und sichert in meine Richtung.

Langsam gehe ich mit der Waffe in den Anschlag und erkenne zwei kurze Spieße zwischen den Lauschern. Ein schwacher einjähriger Bock. Ich wage kaum mich zu bewegen, dass die Töne aus dem Blatter so schnell Zuspruch finden hätte ich nicht gedacht.

Der Bock zieht jetzt langsam auf mich zu und ich schiebe die Sicherung nach vorne. Als er endlich breit steht peitscht der Schuss durch den ruhigen Abend und der Bock sack wie vom Blitz getroffen zusammen.

Ich repetiere langsam eine neue Patrone in das Patronenlager und versuche mich zu entspannen. Das Jagdfieber hat mich noch voll im Griff. Da sehe ich eine Bewegung im Rand der anderen Dickung. „Das war doch ein Reh“, sage ich fast laut zu mir selber. Ich warte noch kurz ab um mich etwas zu beruhigen und beginne wieder mit einigen leisen und zaghaften Fieplauten.

Bereits beim dritten Laut höre ich wie schnelle, kräftige Sprünge im Laub, kleine Äste brechen, es kommt etwas direkt auf mich zu. Ich kann nicht erkennen was da auf mich zu stürmt, da die tiefen Äste mir in diesem Bereich die Sicht versperren. Eine Lücke nur ungefähr 10 Meter vor und nicht mal einen Meter breit ist meine einzige Chance.

Ich weiß immer noch nicht ob es ein Bock oder eine Ricke ist, denn auch die Ricken springen auf den Fieplaut. Es muss mich in der Dickung umschlagen haben und kommt jetzt genau aus der Richtung die für mich am unpassendsten ist.

Es vergehen nur wenige Sekunden seit dem ich das anwechselnde Stück zum ersten Mal gehört habe und plötzlich taucht in der Lücke ein massiger Kopf auf. Wie gemalt steht ein Bock vor mir und sieht mich direkt an. Ein Bock wie ich ihn hier noch nie gesehen habe. Kräftig im Körper, stark und hoch vom Gehörn, ein Bock wie ich ihn mir immer erträumt habe.

Der Finger liegt auf dem Abzug, das Fadenkreuz ruht auf seiner Schulter und der Schuss bricht. Wie in Zeitlupe erscheint es mir, bäumt der Bock sich ein letztes Mal auf und fällt nach wenigen Metern in das nasse Buchenlaub. Als ich näher trete bin ich glücklich und gerührt zu gleich. Es kommt mir wie ein Traum vor.

Ein wirklicher Traumbock liegt vor mir an einem perfekten Abend. Ich lege den kleinen Spießer neben den großen Bock und setze mich auf einen Baumstumpf daneben.

Lange sitze ich dort. Ein Abend den ich nie vergessen werde. Ein Abend im August..

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